Insgesamt 3 Führungen bildeten ein forderndes, aber sehr wertvolles Programm an diesem Tag. Bei der ersten ging um die Diagnose und die Therapieformen im Lauf der Geschichte und um die Gründe, die Kaiser Franz Joseph Ende des 18. Jh. bewogen haben, die „Heil- und Pflege-Anstalt“ – heute Klinikum genannt – in dieser für damalige Zeiten fortschrittlichen Form errichten zu lassen. Ziel der Ausstellung ist vor allem, die Wichtigkeit seelischer Gesundheit ins Zentrum der öffentlichen Wahrnehmung zu stellen. So stellt heute in Mauer die Behandlung von Suchtkrankheiten, insbesondere Alkoholabhängigkeit, den Schwerpunkt dar.
In der sehr einfühlsam und inspirierend gestalteten Führung durch diesen Teil der Ausstellung gab es auch viele Anregungen zum Nachdenken über eigene Erfahrungen und Einstellungen.
Anschließend stellte uns Klinikpfarrer Manfred Heiderer den Mittelpunkt der ganzen Anlage, die Kapelle St. Leopold, vor, die mit dem Gesellschaftshaus, einem angeschlossenen Festsaal, ein einzigartiges Ensemble bildet. Dieses ist wie die ganze Anlage im damals aktuellen Baustil, dem Jugendstil, errichtet worden. Nach einer kurzen Andacht erzählte Pfarrer Heiderer in sehr lebendiger Form von seiner Arbeit mit den Menschen und darüber, was der Glaube zur Heilung an Leib und Seele beitragen kann.
Emotional sehr berührend war nach einer Erholungspause der abschließende 3. Teil, eine Führung im „Lernort Haus 18“, in dem die Geschichte der NS-Medizinverbrechen dokumentiert wird: Fast 3000 Menschen wurden damals in Mauer ermordet oder zur Tötung weggebracht. Euthanasie, Vernichtung „unwerten“ Lebens, Irreführung und Verhetzung der Bevölkerung – das sind nicht nur vergangene Praktiken der NS-Zeit, sondern zu jeder Zeit grausame Wirklichkeit und Gefahr.
Mit einem Gang zum Friedhof endete der Besuch der beeindruckenden Ausstellung, die bei allen TeilnehmerInnen noch lange nachklingen wird – im Respekt vor dem Anderssein von Menschen und im achtsamen Umgang mit dem eigenen, von Gott geschenkten Leben.