Im Mittelpunkt dieses Vortrags standen nicht die politische Strukturen, sondern der Mensch und die Art und Weise, wie wir miteinander leben. Demokratie lebt vom Bewusstsein der Gleichheit aller Menschen, vom respektvollen Umgang miteinander, von Beteiligung und von der Bereitschaft, Verantwortung für die Gemeinschaft zu übernehmen.
Ein besonders eindrucksvolles Bild des Abends war die Gegenüberstellung zweier möglicher Entwicklungen unserer Gesellschaft: „In welche Richtung geht es?“
Auf der einen Seite stand ein technokratischer Lebensentwurf – geprägt von Algorithmen, Optimierung, Leistungsdenken, Rankings und ständigem Streben nach „mehr“. Begriffe wie Konkurrenz, Vereinzelung, Einsamkeit und Angst beschrieben diese Entwicklung.
Dem gegenüber stellte Kaineder einen gemeinschaftsorientierten Lebensentwurf, der auf Gastfreundschaft, Gemeinsinn, Kooperation und Zusammenhalt setzt. Nicht immer müsse die Frage lauten: Wie geht mehr? Vielmehr könne die Frage nach dem „Wie geht weniger?“ zu einem bewussteren und nachhaltigeren Leben führen.
Dabei ging es um die Anerkennung von Grenzen, um den Kreislauf mit der Natur, Zufriedenheit und Dankbarkeit. „We are“ statt „I am“ wurde dabei zu einem starken Bild für ein inklusives Miteinander.
Ein weiterer wichtiger Gedanke war die unantastbare und ungeteilte Würde jedes Menschen. Vielfalt könne eine Gesellschaft stärken, während Ausgrenzung und Vereinzelung den Zusammenhalt gefährden.
Auch die Rolle von Sprache wurde thematisiert. Worte und Bilder können Menschen verbinden, aber ebenso ausgrenzen, abwerten oder spalten. Eine demokratische Gesellschaft brauche daher einen bewussten und respektvollen Umgang miteinander.
Kaineder machte deutlich, dass Demokratie nicht nur durch Institutionen und Wahlen getragen wird. Sie entsteht jeden Tag dort, wo Menschen miteinander reden, zuhören, Verantwortung übernehmen und auch unterschiedliche Meinungen aushalten.
Der Abend im Haus FeRRUM war damit vor allem eine Einladung zum Nachdenken über die Richtung, in die sich unsere Gesellschaft entwickeln soll – und über den eigenen Beitrag zu einem guten Miteinander.
Das Team des Katholischen Bildungswerks Ybbsitz zeigte mit dieser Veranstaltung einmal mehr, wie wichtig Bildungsarbeit und offene Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Fragen vor Ort sind.
Demokratie beginnt nicht erst an der Wahlurne. Sie beginnt dort, wo Menschen einander mit Respekt begegnen und sich als Teil einer Gemeinschaft verstehen.